DAS KUNSTHANDWERK

Ein Spiegel

unserer Traditionen

Kunsthandwerk

Kunsthandwerk – das war früher pure Notwendigkeit, um den Alltag auf der Insel zu bestreiten. Die Rohstoffe dafür? Direkt aus der Natur! Löffel, Käseschalen, Mörser oder die typischen Chácaras (einheimische Kastagnetten) und viele andere nützliche wie dekorative Gegenstände wurden aus Holz gefertigt. Dafür nutzte man das Holz der heimischen Laurisilva-Bäume wie Viñátigo oder Heidekraut, aber auch importierte Sorten wie Walnuss, Kastanie und Maulbeere.

Doch nicht nur Holz war gefragt: Aus den Fasern der Bananenstauden entstanden Schnüre, die zu kunstvollen Blumen, Schmuckkästchen, Tischdekorationen oder Brotkörben verarbeitet wurden. Auch die Stängel der Palme fanden vielfältige Verwendung in der Handwerkskunst. Bei den Körben, die in unzähligen Formen und Materialien vorkommen, dominieren Weiden- und Rohrflechtarbeiten. An traditionellen Webstühlen entstehen noch heute Teppiche und Decken aus alten Stoffresten und Baumwollgarn – ein beeindruckendes Beispiel dafür finden Sie im Besucherzentrum Juego de Bolas.

Ein ganz besonderes Highlight des gomarischen Kunsthandwerks ist die Töpferei. Sie wird seit der Zeit der Ureinwohner komplett von Hand und ohne Töpferscheibe gefertigt. Die Materialien – Ton, Sand und Almagre (ein rotes Mineral) – stammen aus den Bergen der Inselmitte. Der Herstellungsprozess ist scheinbar einfach, erfordert aber viel Zeit und Hingabe. Nachdem das Gefäß, sei es eine Kartoffelschale, eine Wasserkaraffe, ein Melkgefäß oder ein Kohlenbecken, geformt ist, wird es zum Trocknen in einen Holzofen gestellt und gebrannt. Die besondere Technik mit Almagre verleiht den Stücken eine charakteristische hellbraune Farbe, ganz im Gegensatz zu den dunkleren, fast schwarzen Töpferwaren anderer Inseln. Besonders bekannt für ihr rustikales Aussehen und ihre lange Tradition sind die Töpferwaren aus Chipude und El Cercado.

Neben diesen typischen Handwerksformen gibt es auf La Gomera noch viele weitere: Häkeln, Sticken, Klöppeln, Spitzen, Lederarbeiten, Seilkunst, Seidenverarbeitung und Wollarbeiten, um nur einige zu nennen. Die handwerkliche Hochburg der Insel ist die nördliche Region, wobei Vallehermoso die Gemeinde mit den meisten Kunsthandwerkern ist.

Um das Kunsthandwerk der Insel zu fördern, finden auf den Kanarischen Inseln jedes Jahr verschiedene Handwerksmessen, Folklore-Veranstaltungen und landwirtschaftliche Messen statt. Besonders hervorzuheben ist die Inselhandwerksmesse in San Sebastián de la Gomera. Dort treffen sich Kunsthandwerker von La Gomera und dem gesamten Archipel. Begleitet wird die Messe oft von weiteren kulturellen Darbietungen, wie dem Silbo Gomero und Auftritten von Folkloregruppen.

Das Cabildo (die Inselregierung) unterstützt diese Bemühungen maßgeblich: Es koordiniert die Teilnahme an Messen, finanziert Ausstellungsflächen, kümmert sich um den Transport der Materialien und sorgt für eine institutionelle Präsenz. Das kanarische Kunsthandwerk wird auch auf Tourismusmessen und Fachkonferenzen präsentiert. Oft führen Handwerker ihre Fähigkeiten sogar live vor Ort vor – sei es ein Töpfer an der Arbeit, jemand, der Holzarbeiten fertigt oder Ristras (Knoblauch- oder Zwiebelzöpfe) bindet. Ziel ist es, zukünftigen Besuchern diese lebendigen kulturellen Manifestationen als attraktiven Bestandteil des touristischen Angebots näherzubringen. Solche Vorführungen werden häufig von folkloristischen Elementen wie dem Silbo Gomero untermalt.

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Traditionelle kanarische Töpferei

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